Rastplätze der Reflexion

RastplatzVor ein paar Wochen war ich einem heftigen Auslöser ausgesetzt. Bei einer Veranstaltung begegnete ich einem jungen Mann, der wie ich einen ähnlichen traumatischen Hintergrund hat und zufälligerweise aus der gleichen Region kommt, wo ich meine Jugendzeit bis hin zum Lehrabschluss verbrachte. Mein erster Gedanke war: Zufälle gibt’s! Als ich dann aus der Weltmetropole wieder in mein sicheres Zuhause zurück kam, begann das Rattern des Kopfkinos. Wir verbrachten unsere Jugendzeit ja nun nicht in einer Großstadt wie Hamburg, Frankfurt, Berlin, Köln oder München. Sondern in einer ländlichen und konservativen Region, wo sich Huhn und Schwein guten Morgen und gute Nacht sagen und der Pastor von der Kanzel die Namen schrie, die es wagten, aus der Kirche auszutreten. Ich fiel in die Depression und eine Flashbackattacke nach der anderen quälte mich. Eine heftige Erkältung, wie ich bestimmt seit 20 Jahren nicht mehr hatte, fegte mich dann komplett aus dem Alltag.

Indem ich der Meinung war, mit der Anzeige des „Musiklehrers“ (Griechenlandfan) und meiner Aussage zu den ungeheuerlichen Taten bei der Polizei seien die Jugendzeit-Ereignisse nun verarbeitet und können ad acta gelegt werden, bin ich in den letzten Jahren einem Irrtum aufgesessen. In der Therapie wurde das Trauma meiner Jugendzeit zwar thematisiert, aber darüber reden und eine Einordnung meiner immer wieder auftretenden inneren Grabenkämpfe eher vermieden. Besser gesagt, es ist gar nicht möglich, weil die Erlebnisse mit so unglaublich starken Gefühlen belastet sind.

Ich möchte etwas über die Ereignisse von damals und über die Verarbeitungsprozesse in den letzten Wochen schreiben. Es fanden gute und wichtige Gespräche mit meiner Vizema statt, die eine gewisse Einordnung der damaligen Ereignisse erlauben. Die Gespräche sind sehr viel wert und haben mir vor Augen geführt, wie wichtig Erinnerungen geraderücken und Sprache ist. Und zwar für die Helferperson, wie es meine Vizema war, aber auch für mich. Schuldgefühle erweisen sich oft über Jahrzehnte hinweg als besonders hartnäckig und blockieren nicht nur therapeutische Prozesse. Für mich bedeutet dies, dran zu bleiben an dem Aufarbeitungsthema.
Ich suche noch die passenden Worte. Innen hat sich in den letzten Wochen viel getan. Gut so!

Es gibt keine Zufälle. Es fällt zu, was fällig ist!

 

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