Nest aus Dornen

Einzelfall und gesellschaftlicher Zusammenhang: Der Freiburger Missbrauchsskandal und seine Folgen. Artikel im Tagesspiegel:

Im schwarzen Wald des Schweigens http://www.tagesspiegel.de/kultur/kindesmissbrauch-in-freiburg-im-schwarzen-wald-des-schweigens/20870032.html

Über 90 Prozent der Taten geschehen im nächsten Umfeld: In den Familien sitzen die Täter, in allen Milieus. Und das ist das Pech der Kinder. Denn aus diesem Faktum lässt sich kein parteipolitischer Nutzen ziehen. Verantwortliche Erwachsene müssten über ihren politischen Schatten springen, um sich, wie Rörig und sein Team, dem Thema auszusetzen. Politische Akteure verhalten sich ähnlich wie Familien mit ihrer Sprache des Vertuschens und Bagatellisierens: Wird Zeit, dass der vergisst, was seine Mutter, sein Vater gemacht haben. Was werden die Leute denken, wenn das bekannt wird. Lieber nichts sagen, das ist ein Fass ohne Boden. Wühl doch nicht in den alten Geschichten rum, davon hat keiner was.

Sexuelle Gewalt bedeutet für ein Kind einen Bombenangriff auf die Landschaft seiner Seele. Die meisten dieser Bomben werfen Erwachsene in ihren eigenen Familien. Eine Gesellschaft, die zu sich kommen will, muss verstehen, warum solcher Sprengstoff entsteht. Sie muss Wissen erwerben über die Affekte von Individuen und die Strukturen von Gruppen. Das ist alles andre als „Psychokram“. Es ist das Wichtigste, was eine Gesellschaft für sich tun kann.

 

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Der Körper vergisst nicht

Artikelempfehlung (PDF) zum Thema „Trauma und Körper: Der Körper merkt sich alles“ von Alexander Korittko (Homepage)

Der Körper ist Ausgangspunkt und Medium für elementare Erfahrungen. Wenn er wieder als Zuhause erlebbar wird, kann ein Mensch sich auf den Weg machen, besser für sich zu sorgen. Der eigene Leib kann zum wichtigsten Ort werden, um Sinn, Halt und Orientierung zu finden. Während in der postindustriellen Gesellschaft die Optimierung unserer äußeren Erscheinung – schöner, allzeit jung und fit – befreit von Rollenvorgaben inszeniert wird und der Körper durch Piercings, Tattoos, Schönheitschirurgie und Fitnesskult aufgewertet wird, verschwindet er in SMS- und Online-Kommunikation, Twitter und Chatrooms aus der persönlichen Begegnung. Gehen wir also wieder häufiger „in uns“, um herauszufinden, was uns gut tut.