„Jetzt geht die Sonne auf.“

Wenn ein gutgelaunter Mensch den Raum betritt, sagen viele: „Jetzt geht die Sonne auf.“ Sofort wird der Raum heller und wärmer. So gestern in einer vertrauensvollen Umgebung erlebt. Meine leicht gedrückte Stimmung war wie verflogen.

Trotz Regenwetter geht’s heute in den Tierpark.

 

 

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Wind und Wasser

Die Geschichte von der Sandwüste (Idries Shah) repräsentiert in einer besonderen Art die mit Ambivalenzen und Ambiguitäten verbundenen existenziellen Übergänge innerhalb einer Therapie und verweist auf überraschende Wendungen und „vergessene“ Ressourcen auf dem Weg zu neuen Lebensabschnitten.

Ein Strom floss von seinem Ursprung in fernen Gebirgen durch sehr verschiedene Landschaften und erreichte schließlich die Sandwüste. Genauso wie er alle anderen Hindernisse überwunden hatte, versuchte der Strom nun auch, die Wüste zu durchqueren. Aber er merkte, dass – so schnell er auch in den Sand fließen mochte – seine Wasser verschwanden.

Er war jedoch überzeugt davon, dass es seine Bestimmung sei, die Wüste zu durchqueren, auch wenn es keinen Weg gab. Da hörte er, wie eine verborgene Stimme, die aus der Wüste kam, ihm zuflüsterte: „der Wind durchquert die Wüste, und der Strom kann es auch.“

Der Strom wandte ein, dass er sich doch gegen den Sand werfe, aber dabei nur aufgesogen würde; der Wind aber kann fliegen, und deshalb vermag er die Wüste zu überqueren.

„Wenn du dich auf die gewohnte Weise vorantreibst, wird es dir unmöglich sein, sie zu überqueren. Du wirst entweder verschwinden, oder du wirst ein Sumpf. Du musst dem Wind erlauben, dich zu deinem Bestimmungsort hinüber zu tragen.

Aber wie sollte das zugehen? „Indem du dich von ihm aufnehmen lässt.

Diese Vorstellung war für den Fluss unannehmbar. Schließlich war er noch nie zuvor aufgesogen worden. Er wollte keinesfalls seine Eigenart verlieren. Denn wenn man sich einmal verliert, wie kann man da wissen, ob man sich je wiedergewinnt.

„Der Wind erfüllt seine Aufgabe“, sagte der Sand. „Er nimmt das Wasser auf, trägt es über die Wüste und lässt es dann wieder fallen. Als Regen fällt es hernieder, und das Wasser wird wieder ein Fluss.

„Woher kann ich wissen, ob das wirklich wahr ist?

„Es ist so, und wenn du es nicht glaubst, kannst du eben nur ein Sumpf werden. Und auch das würde viele, viele Jahre dauern; und es ist bestimmt nicht dasselbe wie ein Fluss.

„Aber kann ich nicht derselbe Fluss bleiben, der ich jetzt bin?

„In keinem Fall kannst du bleiben, was du bist, flüsterte die geheimnisvolle Stimme. „Was wahrhaft wesentlich an dir ist, wird fortgetragen und bildet wieder einen Strom. Heute wirst du nach dem genannt, was du jetzt gerade bist, doch du weißt nicht, welcher Teil deines Selbst der Wesentliche ist.

Als der Strom dies alles hörte, stieg in seinem Innern langsam ein Widerhall auf. Dunkel erinnerte er sich an einen Zustand, in dem der Wind ihn – oder einen Teil von ihm? War es so? – auf seinen Schwingen getragen hatte. Er erinnerte sich auch daran, dass dieses, und nicht das jedermann Sichtbare, das Eigentliche war, was zu tun wäre – oder tat er es schon?

Und der Strom ließ seinen Dunst aufsteigen in die Arme des Windes, der ihn willkommen hieß, sachte und leicht aufwärts trug und ihn, sobald sie nach vielen, vielen Meilen den Gipfel des Gebirges erreicht hatten, wieder sanft herabfallen ließ. Und weil er voller Bedenken gewesen war, konnte der Strom nun in seinem Gemüte die Erfahrungen in allen Einzelheiten viel deutlicher festhalten und erinnern und davon berichten. Er erkannte: „Ja, jetzt bin ich wirklich ich selbst.

Der Strom lernte. Aber die Sandwüste flüsterte: „Wir wissen, weil wir sehen, wie es sich Tag für Tag ereignet; denn wir, die Sandwüste, sind immer dabei, das ganze Flussufer entlang bis hin zum Gebirge.

Und deshalb sagt man, dass der Weg, den der Strom des Lebens auf seiner Reise einschlagen muss, in den Sand geschrieben ist.

Betroffenenkongress „MitSprache“ fand in Berlin statt

Auf der Facebookseite des Betroffenenrats und bei Twitter unter @UBSKM_de gibt es viele interessante Statements, Beiträge und Aktionsbilder vom Kongress „MitSprache“, der am 14. und 15. September 2018 in Berlin stattfand. In den nächsten Tagen/Wochen werden sowohl Podcasts als auch eine Video-Dokumentation und viele Fotos auf der Homepage online gestellt werden, damit alle, die leider nicht dabei sein konnten, wenigstens ein bisschen ‚Dabei Sein‘ nachholen können (Info steht auf der Facebookseite).

Über den Kongress von Betroffenen für Betroffene und Unterstützer*innen findet man im Netz einiges an Berichterstattung. Hier folgen ein paar Links:

Magazin des Betroffenenrats – Betrifft: alle – die Arbeit des Betroffenenrats (Anhang unter der PM PDF als Download )

Trauma & Sucht

Seit einigen Tagen beschäftige ich mich mit dem Ruppert-Modell „Gesunder Anteil – Überlebensanteil – Traumatisierter Anteil“. Ich bin im Netz zufällig auf den Psychotherapeuten gestoßen, weil ich mal wieder verzweifelt nach Infos zum Themenpaar „Trauma & Sucht“ suchte. Nachdem ich mir einige seiner Vorträge ansah, blinkten einige „Aha!“-Lichtleins auf, vor allem als ich meinen überaus gesprächigen Überlebensanteil betrachtete, den ich übrigens sehr achte. Außer in heftigen Krisenzeiten… Aber: es gibt einen Grund.

»Wer es nicht anerkennt, dass er traumatisiert worden ist, kommt aus der Sucht nicht raus.« Prof. Dr. Franz Ruppert

Absolute Zustimmung von mir – mit einem freundlichen Blick zum „Überlebensanteil“. Wir werden wohl doch noch Freunde 🙂 . Seit Jahren beschäftigt mich das Thema und ich bin Herrn Ruppert sehr dankbar für seine Arbeit. Wie oft zermarterte ich mir das Hirn, dass man doch irgendwie an die Ursache dran kommen müsste und anders mit der Sucht umgehen könnte. Diese ständigen Rückfälle und wenn ich in der Klinik hörte, dass alles im „Suchtgedächtnis“ gespeichert sei und nur die Abstinenz hilft… Ich konnte es nicht mehr hören! Ich wollte mich nicht mit einem sog. „Suchtgedächtnis“ in die hoffnungslose Ecke abstellen lassen, so nach dem Motto: „Die wird sowieso immer wieder rückfällig und liegt irgendwann in der Gosse!“. So einfach ist das nicht! Ich erhoffe mir doch mehr Forschung auf dem Gebiet Trauma & Sucht und dass die Kliniken endlich ihre Konzepte verbessern.

Ich stelle hier für Interessierte ein paar Links zur Verfügung:

Die Identitätsorientierte Psychotraumatheorie wird seit 2015 von dem Münchner Psychotherapeuten und Psychologieprofessor Franz Ruppert entwickelt und ausformuliert. Diese Theorie erklärt psychische Störungen und körperliche Erkrankungen als die Folgen von unterschiedlichen Formen von Traumatisierungen der menschlichen Psyche und bildet die Grundlage für ein eigenes psychotherapeutisches Interventionsverfahren, die Identitätsorientierte Psychotraumatherapie. https://de.wikipedia.org/wiki/Identit%C3%A4tsorientierte_Psychotraumatherapie

Bei Youtube / AK Voralberg gibt es einige interessante Vorträge mit Herrn Ruppert: https://www.youtube.com/watch?v=ZoAhyyhEUts

Suchtsymposium – Aktuelles Interview mit Dr. Franz Ruppert

https://www.suchtsymposium.com/speaker/prof-franz-ruppert-ght748/

Menschenverachtende Politik

Psychiatriegesetz in Bayer

Was für ein widerwärtiger Gesetzesentwurf von der CSU! Wie nah sich doch AfD und CSU stehen. Menschen in psychischen Krisensituationen werden zu Täter_innen abgestempelt und wie Gefährder_innen in einer sog. Psychiatriekartei (für mindestens 5 Jahre, also bei mehreren Krisen kommen da einige Jährchen zusammen) erfasst. Psychiatrische Krankenhäuser werden als Verwahranstalt missbraucht und Mediziner sowie Therapeuten zu Hilfspolizisten verdonnert. Geht gar nicht!

Heribert Prantl über das Psychisch-Kranken-Hilfe-Gesetz: „Diese Art und Weise des registriert Werdens ist furchtbar. Das hat mit einem Rechtsstaat nichts zu tun. Das ist eigentlich ein typisches Kennzeichen von autokratischen und diktatorischen Systemen. So etwas kann man nicht dulden. So etwas darf man nicht dulden.“

Es sind eben nicht immer die anderen betroffen! Psychisch Erkrankte brauchen Hilfe, nicht mehr Stigmatisierung. Hier ist Widerstand dringend notwendig! Es ist Aufgabe der Politik, für mehr Therapieplätze und gut ausgebildete Mediziner* und Therapeuten* und und und zu sorgen. Das Opferentschädungsrecht, hm, wurde das eigentlich bisher reformiert?

Sendung Quer mit Heribert Prantl (4 Min.):