Beweise für rituelle Gewalt?

Es gibt ein neues Infoportal zu ritueller Gewalt. Auf der Seite werden Gerichtsurteile, wissenschaftliche Arbeiten und aktuelle Meldungen zum Thema Rituelle Gewalt gesammelt und öffentlich zur Verfügung gestellt.

Warum gibt es diese Webseite? Seit vielen Jahren hält sich hartnäckig der Satz „Rituelle Gewalt ist noch nie bewiesen und verurteilt worden.“ Das stimmt nicht. Es gibt Gerichtsurteile und Belege für Fälle Ritueller Gewalt. Dieses Infoportal lädt dazu ein, sich selbst ein Bild zu machen.

Link zum Portal: https://www.infoportal-rg.de/

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Haltung von Neugier und Experimentieren

Gerne möchte ich euch den Blog traumheilung.de empfehlen. Die körperorientierte Psychotherapeutin Dami Charf blogt zum Thema Trauma und Traumatherapie. Ich folge dem Blog mit vielen interessanten und hilfreichen Beiträgen seit längerer Zeit. Heute veröffentlichte sie einen klasse Blogbeitrag zum Thema „Trauma und Neugier“.

Wie dir deine Neugier helfen kann

Eines der ersten Dinge, die Menschen durch Traumatisierungen verlieren ist ihre Freude an Exploration und Ausdehnung. Trauma könnte man sagen, ist das Gegenteil von Neugier und Explorationsverhalten. Wir können jedoch Neugier bewusst einsetzen, um unser Leben und Traumatisierungen besser zu bewältigen.

Link zum Beitrag: http://www.traumaheilung.de/wie-dir-deine-neugier-helfen-kann/

Tick Tack … 19. Juli 1983

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Erinnerungen sind wie eine Zeitbombe

Ein unvergesslicher Sommertag

Sich erinnern an den Sommertag in der Frühe, es ist so 6 Uhr und still im gelben Haus in der Blumenstraße. Draußen ist es hell, im Haus ist es meistens dunkel. Es ist das Jahr 1983 und ein sehr warmer Sommer. Die Kinder sehen blass und unterernährt aus. Die Haut ist mit einer aschgrauen Schmutzschicht überzogen. Drei Kinder, ein fast 12jähriges Mädchen, ein 6jähriger Junge und ein 1 1/2jähriger Junge leben mit der Mutter und  einem arbeitslosen, sadistischen Taugenichts in dem gelben Haus. An dem Sommertag in der Frühe, es ist der 19. Juli 1983, erfolgt der Zugriff. Es klingelt und plötzlich ist ein riesen Lärm im Haus. Der scharfe Hund bellt. Laute Stimmen im Befehlston schallen nach oben. Die Haustür wird geöffnet und viele Leute und Polizei stürmen ins Haus. Der Hund bellt wie verrückt und ein Polizist fordert den Taugenichts auf, den Hund zurück zu nehmen, sonst wird er erschossen. Bei den Kindern hier oben herrscht Angst und Panik. Der Kleinste schreit in seinem Bettchen, der Mittlere versteckt sich irgendwo und das Mädchen verkriecht sich hinter einem Schrank. Es hört sich an, als ob eine große Horde das Haus einnimmt. Unten ist lautes Gebrüll und Gezeter. Leute kommen nach oben und durchsuchen die Räume. Die Jungs werden gefunden und nach unten gebracht. Das Mädchen wird an den Beinen aus dem Versteck hervorgezogen und von einem Mann aus dem Haus getragen. Die Mutter ruft noch hinterher: „Pass gut auf deine Brüder auf!“. Ab ins Auto, es ist ein grauer Passat Kombi. Einer von den Jungs sitzt schon drin. Die Kinder werden in Decken gehüllt. Eine Frau versucht die Kinder zu beruhigen und irgendetwas zu erklären. Dem Mädchen werden die Augen verbunden. Die Fahrt geht los. Die drei Kinder werden an einen „sicheren“ Ort gebracht.

Die Mutter brachte 5 Kinder auf die Welt und keines ihrer Kinder hat sie selbst aufgezogen.

[little girl E. & Darty]

Rastplätze der Reflexion

RastplatzVor ein paar Wochen war ich einem heftigen Auslöser ausgesetzt. Bei einer Veranstaltung begegnete ich einem jungen Mann, der wie ich einen ähnlichen traumatischen Hintergrund hat und zufälligerweise aus der gleichen Region kommt, wo ich meine Jugendzeit bis hin zum Lehrabschluss verbrachte. Mein erster Gedanke war: Zufälle gibt’s! Als ich dann aus der Weltmetropole wieder in mein sicheres Zuhause zurück kam, begann das Rattern des Kopfkinos. Wir verbrachten unsere Jugendzeit ja nun nicht in einer Großstadt wie Hamburg, Frankfurt, Berlin, Köln oder München. Sondern in einer ländlichen und konservativen Region, wo sich Huhn und Schwein guten Morgen und gute Nacht sagen und der Pastor von der Kanzel die Namen schrie, die es wagten, aus der Kirche auszutreten. Ich fiel in die Depression und eine Flashbackattacke nach der anderen quälte mich. Eine heftige Erkältung, wie ich bestimmt seit 20 Jahren nicht mehr hatte, fegte mich dann komplett aus dem Alltag.

Indem ich der Meinung war, mit der Anzeige des „Musiklehrers“ (Griechenlandfan) und meiner Aussage zu den ungeheuerlichen Taten bei der Polizei seien die Jugendzeit-Ereignisse nun verarbeitet und können ad acta gelegt werden, bin ich in den letzten Jahren einem Irrtum aufgesessen. In der Therapie wurde das Trauma meiner Jugendzeit zwar thematisiert, aber darüber reden und eine Einordnung meiner immer wieder auftretenden inneren Grabenkämpfe eher vermieden. Besser gesagt, es ist gar nicht möglich, weil die Erlebnisse mit so unglaublich starken Gefühlen belastet sind.

Ich möchte etwas über die Ereignisse von damals und über die Verarbeitungsprozesse in den letzten Wochen schreiben. Es fanden gute und wichtige Gespräche mit meiner Vizema statt, die eine gewisse Einordnung der damaligen Ereignisse erlauben. Die Gespräche sind sehr viel wert und haben mir vor Augen geführt, wie wichtig Erinnerungen geraderücken und Sprache ist. Und zwar für die Helferperson, wie es meine Vizema war, aber auch für mich. Schuldgefühle erweisen sich oft über Jahrzehnte hinweg als besonders hartnäckig und blockieren nicht nur therapeutische Prozesse. Für mich bedeutet dies, dran zu bleiben an dem Aufarbeitungsthema.
Ich suche noch die passenden Worte. Innen hat sich in den letzten Wochen viel getan. Gut so!

Es gibt keine Zufälle. Es fällt zu, was fällig ist!

 

Der Betroffenenrat

Am 23. März 2015 hat sich der Betroffenenrat in Berlin konstituiert. Zehn Frauen und fünf Männer begleiten in Zukunft als beratendes Gremium die Arbeit des Unabhängigen Beauftragten.

Johannes-Wilhelm Rörig (Unabhängiger Beauftragter für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs): „Die Konstituierung des Betroffenenrats ist ein historisches Ereignis. Jetzt können Erfahrung und Kompetenz von Betroffenen kontinuierlich in die politischen Prozesse einfließen.“

Link zur aktuellen Pressemitteilung:
http://beauftragter-missbrauch.de/presse-service/pressemitteilungen/detail/news/betroffenenrat-beim-unabhaengigen-beauftragten-ist-konstituiert/

Die Telefonzelle

TelefonzelleAls wir 1983, genau am 19. Juli, unter furchtbaren Umständen vom Jugendamt in Begleitung eines Polizeiaufgebots aus dem desolaten Umfeld entführt wurden und in ein Kinderheim gesteckt wurden, war trotz der Umstände der Impuls am größten, so schnell wie möglich die nächste Telefonzelle aufzusuchen. Als es mir irgendwann gelang, rief ich meine Großmutter an. Es war total schrecklich, dass ich so desorientiert war. Man hatte mir während der Fahrt die Augen verbunden, damit ich den neuen Aufenthaltsort nicht verrate. Ich konnte der Oma durch den schweren Telefonhörer nur sagen, in welchem Dorf wir untergebracht waren. Es war mir wichtig, dass meine Oma wusste, wo wir sind und ich wusste damals schon, dass sie unseren Aufenthaltsort an die Mutter nicht verraten wird. Das tat sie auch nie. Als die Mutter später die Möglichkeit bekam, ihre Kinder im Heim zu besuchen, habe ich sie dort nie gesehen. Sie wird ihre Gründe dafür gehabt haben.

Ich habe die Mutter nicht ein einziges Mal aus einer Telefonzelle angerufen. Auch nicht, als ich nicht mehr heimlich eine Telefonzelle aufsuchen musste und vom Kinderheim aus telefonieren durfte. Ich war fast 12 Jahre alt, als ich mit meinen zwei jüngeren Brüdern ins Heim gesteckt wurde. Für mich war es damals nicht das erste Mal, aber am 19. Juli 1983 war es für immer. Glück gehabt!?

Obwohl sie so scheiße war, denke ich oft an sie und bin häufig sehr traurig.

[Eina]