Zu lange Bearbeitungszeiten „Fonds Sexueller Missbrauch“

Aktuelle Information von der Initiative Phoenix zum Fonds sexueller Missbrauch

Von Initiative Phoenix – Bundesnetzwerk für angemessene Psychotherapie e.V

12. März 2018 — Viele Menschen schreiben uns, dass sie aus dem „Fonds Sexueller Missbrauch“ (http://www.fonds-missbrauch.de/) eine großartige Entlastung erhalten haben und eine Zeitlang gut therapeutisch arbeiten konnten oder können. Da wir aber immer wieder und immer öfter hören und lesen, welche Schwierigkeiten es bei den Anträgen zum Fonds „Sexueller Missbrauch“ gibt, habe ich noch einmal nachgefragt und gebe nun die Antwort weiter, siehe unten. Diese bestätigt die Erfahrungen, die AntragstellerInnen und ihre BehandlerInnen uns schildern. Die Bearbeitungszeit der Anträge überschreitet bei weitem alles, was wir für zumutbar halten. Es ist keineswegs mehr ein Angebot für die Hilfe in der Not, sondern gemein, Hoffnung zu wecken und dann zwei Jahre Bearbeitungszeit (und länger?) zu haben.

Weiter zum Update der laufenden Petition mit Antwort von der FSM-Geschäftsstelle: https://www.change.org/p/bedarfsgerechte-psychotherapie/u/22495306

 

Letztes Jahr lag die Bearbeitungszeit der eingereichten FSM-Anträge bei 16 Monate. Nun liegt die Bearbeitungszeit bei 22 – 23 Monaten!

Fundstelle zum Antragsaufkommen aus dem letzten Jahr auf der Website des Fonds sexueller Missbrauch (klick zur Nachricht vom 13. Januar 2017)

„In den vergangenen Monaten war ein erhöhtes Antragsaufkommen festzustellen. Als Folge daraus hat sich die Bearbeitungszeit für die einzelnen Anträge verlängert. Deshalb soll das System jetzt umfassend weiter entwickelt werden, damit Betroffene die dringend benötigten Hilfeleistungen schneller erhalten können. Dazu werden zusätzliche Gremien zur Beratung der Anträge eingerichtet, die Aufgaben der Geschäftsstelle des FSM erweitert und die telefonische Erreichbarkeit ausgeweitet. Außerdem wird die Geschäftsstelle durch Neueinstellungen personell erheblich aufgestockt, um Weiterentwicklung und Neuausrichtung dauerhaft umsetzen zu können.“

Irgendetwas stimmt dort nicht. Wenn eine Personalaufstockung wirklich stattgefunden hat, ist die aktuelle Bearbeitungszeit von 22 Monaten in keinster Weise nachvollziehbar. Das kann nicht nur mit dem zusätzlichen Antragsvolumen zusammenhängen. Organisatorisch liegt dort einiges im Argen.

Noch etwas: Betroffene können auf die Anonymisierung ihres Antrags verzichten. Ich verstehe das so, dass nicht-anonymisierte Anträge durch den Verzicht schneller bearbeitet werden können – aber zu Lasten der anonymisierten Anträge. Ich persönlich würde die Anonymisierung durch die Geschäftsstelle bevorzugen. Ganz einfach auch aus datenschutzrechtlichen Gründen. Die Geschäftsstelle reicht die Anträge an die Clearingstellen weiter. Aber wer sitzt dort? Wie sind diese Clearingstellen zusammengesetzt? Wie wird mit unseren sensiblen Daten umgegangen? Wie sicher sind die nicht-anonymisierten Daten wirklich bei den MitarbeiterInnen in den Clearingstellen? Wie schaut die Gleichbehandlung aller AntragstellerInnen aus? Ich habe begründete Zweifel…

Verfahrensweise in der Geschäftsstelle FSM: „Anschließend wird der Antrag in der Geschäftsstelle insoweit gewünscht anonymisiert. Das bedeutet, dass alle personenbezogenen Daten (Name, Adresse, Versicherungsnummern etc. und Namen anderer Personen aus dem persönlichen Umfeld sowie Täternamen) unkenntlich gemacht werden. Die personenbezogenen Daten der Antragsteller/innen werden nur von wenigen Mitarbeiterinnen bzw. Mitarbeitern der Geschäftsstelle gesehen. Die Anträge werden in der Geschäftsstelle verschlossen aufbewahrt. Die Geschäftsstelle achtet bei jedem Verfahrensschritt darauf, dass außer den damit betrauten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern niemand unbefugt Zugriff auf die Anträge und Daten hat.

Die insoweit gewünscht anonymisierten Anträge werden den Mitgliedern der Clearingstelle zur Beratung vorgelegt. Die Clearingstelle berät über jeden Antrag einzeln nach den Vorgaben der Leitlinien zur Gewährung von Leitlinien aus dem Fonds Sexueller Missbrauch im familiären Bereich.“

 

 

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„Wusch“

Will die Vergangenheit vergehen? Gibt es so etwas wie einen „Wusch“ durch den Körper und die angestaute schmerzhafte Energie der Vergangenheit fließt einfach ab?

Überall Stau

 

Borderline-Persönlichkeitsstörung ist „heilbar“

Artikel-Empfehlung im Deutschlandfunk:

Ruhe nach dem Daueralarm. Wie sich Borderline heilen lässt (klick)

Borderline galt lange als grundlegende Störung der Persönlichkeit. Eine Therapie schien über das schlichte Krisenmanagement hinaus wenig ausrichten zu können. Doch jetzt verdichten sich die Hinweise, dass sich die auffällig veränderten Hirnaktivitäten wieder normalisieren können. Vieles spricht dafür: Die Borderline-Persönlichkeitsstörung ist heilbar.

Von Wibke Begemann

Ich finde den Artikel sehr gut und hoffnungsgebend gemacht, allerdings sehe ich die DBT (Dialektisch-Behaviorale Therapie) für komplex-traumatisierte Menschen nach Martin Bohus Aussage kritisch. Besonders diesen Absatz im Artikel:

Unter Anleitung mit der Vergangenheit konfrontiert

Bohus und seine Kollegen an vier psychiatrischen Krankenhäusern in Deutschland sind dazu übergegangen, bei ihren Patientinnen so früh wie möglich das Trauma anzugehen. Nach einem dreiwöchigen Skills-Training geht es in die Exposition, bei der die Patienten unter Anleitung erneut mit der Vergangenheit konfrontiert werden. Bohus ist überzeugt, was bei Patientinnen mit einer Posttraumatischen Belastungsstörung funktioniert, das hilft auch anderen Borderlinern.

„Insgesamt besteht die Gefahr, dass man zu lange den Fokus auf Überleben statt auf sinnerfülltes Leben richtet. Also, dass wir in der DBT insgesamt zu kurz greifen, dass wir zu lange auf Stabilisierung gehen, aber auf die grundlegenden emotionalen Muster nicht kommen. Und wir haben das jetzt durchexerziert mit der PTBS, dass es geht und dass es schnell geht und dass es tief greifend verändert und arbeiten jetzt daran, diese Erfahrung auf die gesamte Erfahrung der Borderline Patienten, nämlich diese zwischenmenschlichen traumatischen Erfahrungen, die nicht sexueller Missbrauch sind, zu übertragen und auch da mit Expositionsbehandlung zu arbeiten, und die ersten Daten schauen ziemlich gut aus, sodass wir denken, dass wir in zwei Jahren hier noch einmal einen Durchbruch erleben werden. Und ich glaube, dann haben wir große Probleme der Borderline Störung vielleicht gelöst.“

Ich denke, dass die Methode DBT-PTBS bei einem Monotrauma gute Heilungschancen bieten kann. Bei der komplexen posttraumatischen Belastungsstörung (KPTBS) sehe ich diese Methode mit mehreren „Hot Spots“ kritisch.

Link mit Informationen über die Therapiemethode DBT-PTBS: Dialektisch Behaviorale Therapie für Posttraumatische Belastungsstörung nach sexuellem Missbrauch in der Kindheit – ein neuer expositionsbasierter Behandlungsalgorithmus

 

Das Haus am Ende des Weges

© darty vom dohlenturm

© darty vom dohlenturm

Unterhalb der Eiche
Liegt ein Haus in einem Dorf
Es war dort sehr kalt
Leute zogen daraus aus
Vor langer Zeit
Und sie nahmen alle ihre Sachen
Und sie kamen nie wieder

Wo ich steh wächst das Unkraut
Nur so hoch wie die Tür
Ich sehe eine Grube und einen Stall
Und eine alte Kommode
Sie erinnern mich, die Häuser
Sind nur einfach gefertigt
Aus rotem Backstein

Was macht ein Haus schön
Nicht das Dach oder die Türen
Wenn es Liebe in einem Haus gibt
Ist es bestimmt ein Palast
Ohne Liebe…
Ist es nur ein Haus
Wo niemand glücklich wohnt

Ohne Liebe ist es doch nichts
Als nur ein Haus

[der nix perfekte reimteufel]

Blasen auf der Seele

Wir tanzen und singen gegen den Feind
Sie sehen weniger, was wir begreifen
Immer wenn ich stolpere
Immer wenn ich falle
Immer wenn ich gegen die Wand knalle
Kein weglaufen möglich ist
Beraubt der Seelenenergie

Das Flüstern und Streiten zu hören
Irgendwo tief im Inneren
Das Feuer, das innerhalb wächst
Um das Geheimnis zu verbergen
Das sind die Sklaven der Finsternis

Eigens geschlüpft in uns
Tobt ein Seelenvogel
Sie sitzt mit verwildertem Gefieder
Auf meinem Balken
Was will sie?

Flieg zurück zum Dohlenturm.

[der nix perfekte reimteufel]

Drei Phobien, deren Meidung die Verarbeitung des Traumas erschwert

Ich stelle mal einen Link zu einem interessanten Artikel zur VerfügungSignallampe.
Wenn es eine Entscheidung zu treffen gilt, sind Traumaüberlebende häufig schlecht darin. »Ich kann mich so schwer entscheiden« ist ein in der Traumapraxis oft gehörter Satz. Er bezieht sich auf Jobsuche, Partnerwahl, Kleidungskauf – beliebige Themen.