Missbrauchsdarstellungen

Das Thema ‚KiPo‘ oder Missbrauchsdarstellungen steht zurzeit auf meiner Therapieagenda. Ich versuche mal kurz aus meiner Sicht dazu etwas aufzuschreiben. Kurz und noch nicht so flüssig deshalb, weil ich erst jetzt an das Thema rankomme.

Die ganzen Jahre vermied ich es, mich mit dem Thema Missbrauchsabbildungen intensiver auseinanderzusetzen. In der Psychotherapie versuchte ich den Gewalthintergrund am Rande anzusprechen, dabei blieb es und ich verbannte das Thema immer wieder. Was sollte ich auch sonst damit tun? Wenn ich in meinem Umfeld als Betroffene über die sexuellen Gewalterfahrungen in Kindheit und Jugendzeit erzählte und noch zusätzlich erwähnte, dass einer der Täter Foto- und Videoaufnahmen machte, dann rutschten den „Zuhörenden“ und gleichzeitig „Weghörenden“ schon mal Sätze raus wie „Das sind ja nur Bilder…“ oder fragten ganz ungläubig, weil sie den Täter kannten „Wie, der hat Nacktfotos von dir gemacht? Die sind bestimmt nicht mehr da…“ – ja, hat er und nicht nur von mir. Es sind beschämende Aufnahmen, die der Täter von uns machte und als Erpressungsmittel nutzte. Es sind Fotos und Filme, die er in seinem eigenen Labor entwickelte und wir wissen bis heute nicht, was mit diesen Produkten passierte. Aber eins kann ich sagen: So wie der Täter die Taten ausführte und dokumentierte, habe auch ich diese Taten im inneren privaten Album abgeheftet und abgespeichert. Die sind nie weg. Bis vor kurzem waren diese inneren Alben, vor allem die unsortiert umherspukenden Aufnahmen,  jederzeit durch Auslöser/Trigger wiederbelebbar und bereiteten mir im Alltag massive Probleme. Ich hatte das Gefühl, als ob jemand von außen die Macht hat, den inneren „Kameramann“ zu aktiveren und der stundenlang um mich herumkreiste. Und dann gibt es den Täter im Innen auch noch zweimal. Hört sich verrückt an? Für mich mittlerweile nicht mehr und ich benötigte letztendlich drei Jahrzehnte, um den psychischen Mechanismus zu verstehen und die Erlebnisse aufarbeiten zu können und innere Distanz herzustellen.

Warum dauerte das bei mir so lange? Vielleicht lag es an der phobischen Vermeidung und wenn ich es in der Therapiestunde am Rande erwähnte, die vorherige ambulante Therapeutin es als nicht relevant einschätzte und/oder alles in einen „Gewalt“-Topf verortete. Ich konnte damit nicht umgehen und eine TherapeutIn zu finden, die sich damit auskennt und Betroffenen helfen kann ist wie nach einer Stecknadel im Heuhaufen zu suchen.

Der innere Spuk begann vor ein paar Wochen erneut, als es im Umfeld einen Auslöser durch eine männliche Person gab. Der Mann zeigte nur eine äußerliche Ähnlichkeit mit dem damaligen Täter auf. Mit dieser Präsenz gelang es in der Therapie, an dem Gewalthintergrund zu arbeiten und durch Aktivierung aller Sinne und mit Hilfe von Unterscheidungsmerkmalen und Distanzierungstechniken diesen Hotspot abzukühlen.

Ich bin gespannt, ob ich in Zukunft in Alltagssituationen die Auslöser schneller erkenne und besser und relaxter reagieren kann.

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Kinderbilder gehören nicht ins Netz

Bloggerin startet Kampagne #deinkindauchnicht gegen Kinderfotos im Netz

Wie absurd solche Bilder sind, merkt man erst, wenn Erwachsene sie nachstellen. Bloggerin Toyah Diebel will das mit ihrer Aktion zeigen.

https://www.hr-fernsehen.de/sendungen-a-z/maintower/sendungen/ein-schnappschuss-vom-gang-zum-toepfchen-babybrei-im-gesicht,video-87746.html

Kriminologe: Kinderbilder gehören nicht ins Netz

Der Kriminologie Thomas-Gabriel Rüdiger hat sich intensiv mit Kinderbildern im Netz beschäftigt. „Viele glauben nicht, dass es eine sexuell motivierte Szene gibt, die gezielt nach Kinderbildern sucht“, berichtet Rüdiger. Scheinbar harmlose Strandbilder werden in eigenen Netzwerken getauscht.

„Das Internet wurde geschaffen von Erwachsenen für Erwachsene. Und die Belange von Kindern spielen da überhaupt keine Rolle“, kritisiert der Kriminologe. „Wenn man das Netz für Kinder sicher machen will, müssen sich auch Erwachsene einschränken.“

https://www1.wdr.de/radio/wdr2/themen/kinderfotos-netz-toyah-diebel-tipps-instagram-100.html

 

Lügde: Behörden lassen sich durch alt bekannte Täterstrategien blenden

Mittlerweile sollten Jugendämter und Polizei wissen, wie Täter gezielt Kinder sexuell misshandeln und ausbeuten. Es handelt sich nicht um Einzelfälle! Erst letztes Jahr flog ein Täternetzwerk in Staufen auf. Betroffene und Helfer*innen berichten seit Jahrzehnten und leisten wichtige Aufklärungsarbeit. Es wiederholt sich immer wieder!

Link zum Fall NDR

Link zum Fall Staufen

DLF berichtet über rituelle und organisierte Gewalt

Der Deutschlandfunk hat zum Thema einen Artikel veröffentlicht

Zwischen Angst und Aufarbeitung

Rituelle und organisierte sexuelle Gewalt gerät immer mehr ins Blickfeld der Politik. Aber der Kampf dagegen ist schwierig: Den Betroffenen wird oft nicht geglaubt und die Ermittlungserfolge der Polizei sind bescheiden.

Von Isabel Fannrich

Den Artikel hat der DLF auch auf seiner Facebook-Seite veröffentlicht. Wer mit dem Thema zu tun hat, wird dort schnell erkennen, aus welchem Lager die Kommentare kommen. Eine der mehrmals auffälligen Kommentatorinnen ist die Psychologin Lydia Benecke (verheiratet mit dem „Herr der Maden“ und Kriminalbiologen Mark Benecke), die unter dem Beitrag gegen namhafte PsychotherapeutInnen, Sozialwissenschaftlerinnen, SozialpädagogInnen und Journalistinnen basht.

Frau Benecke veröffentlichte nach dem DLF-Beitrag auf ihrer Facebookseite einen äußerst fragwürdigen Beitrag. Ich gehe mal davon aus, dass sie keine Approbation hat.

Die Zeitschrift Emma veröffentlichte im November 2017 einen Artikel mit dem Titel

Darum zeigen Frauen so selten an!

Nest aus Dornen

Einzelfall und gesellschaftlicher Zusammenhang: Der Freiburger Missbrauchsskandal und seine Folgen. Artikel im Tagesspiegel:

Im schwarzen Wald des Schweigens http://www.tagesspiegel.de/kultur/kindesmissbrauch-in-freiburg-im-schwarzen-wald-des-schweigens/20870032.html

Über 90 Prozent der Taten geschehen im nächsten Umfeld: In den Familien sitzen die Täter, in allen Milieus. Und das ist das Pech der Kinder. Denn aus diesem Faktum lässt sich kein parteipolitischer Nutzen ziehen. Verantwortliche Erwachsene müssten über ihren politischen Schatten springen, um sich, wie Rörig und sein Team, dem Thema auszusetzen. Politische Akteure verhalten sich ähnlich wie Familien mit ihrer Sprache des Vertuschens und Bagatellisierens: Wird Zeit, dass der vergisst, was seine Mutter, sein Vater gemacht haben. Was werden die Leute denken, wenn das bekannt wird. Lieber nichts sagen, das ist ein Fass ohne Boden. Wühl doch nicht in den alten Geschichten rum, davon hat keiner was.

Sexuelle Gewalt bedeutet für ein Kind einen Bombenangriff auf die Landschaft seiner Seele. Die meisten dieser Bomben werfen Erwachsene in ihren eigenen Familien. Eine Gesellschaft, die zu sich kommen will, muss verstehen, warum solcher Sprengstoff entsteht. Sie muss Wissen erwerben über die Affekte von Individuen und die Strukturen von Gruppen. Das ist alles andre als „Psychokram“. Es ist das Wichtigste, was eine Gesellschaft für sich tun kann.