„Jetzt geht die Sonne auf.“

Wenn ein gutgelaunter Mensch den Raum betritt, sagen viele: „Jetzt geht die Sonne auf.“ Sofort wird der Raum heller und wärmer. So gestern in einer vertrauensvollen Umgebung erlebt. Meine leicht gedrückte Stimmung war wie verflogen.

Trotz Regenwetter geht’s heute in den Tierpark.

 

 

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Selbstbild

In meiner Kindheit und Jugendzeit musste ich häufiger die Erfahrung machen, dass andere mit ihren Meinungen und Beurteilungen über mein Selbstbild entschieden. Neben der sexuellen und sadistischen Gewalt, Parentifizierungen und den sonstigen Abwertungen durch das „Elternhaus“ erlebte ich ab meinem 12. Lebensjahr an einem „sicheren“ Ort weitere Abwertungen meines sich in Entwicklung befindlichen und verletzten Selbstbildes. Beteiligte waren vor allem Psychologen, einige Erzieherinnen und Lehrer*innen (zum Glück nicht alle). Als Beispiele nenne ich „sie hätte kein Talent“, „sie ist nicht sehr begabt“, „sie ist frech und ein negatives Vorbild für andere Mitschüler“, „sie überschätzt sich selbst und ein Realschulabschluss und eine Lehre ist unrealistisch“ usw..

Kinder, die in einem Umfeld aufwachsen, die sie unterstützt, fördert und ermutigt, entwickeln ein starkes, selbstsicheres Basis-Selbst. Kinder, die ständig kritisiert und herabgesetzt werden und von denen man nur negatives erwartet, entwickeln ein unsicheres Basis-Selbst, das kaum etwas von seinen eigenen Fähigkeiten weiß. Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie Eindrücke aus der Kindheit sehr lange im Gedächtnis haften bleiben und im Alltag, am Arbeitsplatz, im Ehrenamt, in der Partnerschaft etc. uns als Hürden begegnen. Zur Überwindung des von man-made geschaffenen falschen und begrenzten Selbstbildes muss häufig der Weg zur ursprünglichen Quelle genommen werden, um unsere alten Vorstellungen einer kritischen Prüfung zu unterziehen. Die Reise an die Ursprungsquelle ist häufig schmerzhaft und mit verschütteten Gefühlen verbunden. Wenn diese alten Überzeugungen einer Überprüfung standhalten, öffnet sich die Tür zu einer neuen Zukunft.

Für das nächste Jahr ist eine Weiterbildung geplant. Bereits seit der Anmeldung höre ich den inneren Be- und Verurteiler „Das kannst du nicht, du bist zu dumm…“. Ich antworte „Woher weißt du das? Möchtest du mich vor etwas schützen? Ich schaffte einen Realabschluss, eine Lehre und später eine berufliche Weiterbildung erfolgreich abzuschließen. Darüber gibt es Zeugnisse, Lehrbrief und Zertifikate. Wenn uns einmal und mehrmals etwas gelang, dann wissen wir, dass wir es können. Gelingt uns etwas nicht, bedeutet das nicht, dass wir es nicht können. Wir haben es bis jetzt nur noch nicht geschafft.“ Ich werde sehen, ob es gelingt. Freue mich auf die Weiterbildung.

Wind und Wasser

Die Geschichte von der Sandwüste (Idries Shah) repräsentiert in einer besonderen Art die mit Ambivalenzen und Ambiguitäten verbundenen existenziellen Übergänge innerhalb einer Therapie und verweist auf überraschende Wendungen und „vergessene“ Ressourcen auf dem Weg zu neuen Lebensabschnitten.

Ein Strom floss von seinem Ursprung in fernen Gebirgen durch sehr verschiedene Landschaften und erreichte schließlich die Sandwüste. Genauso wie er alle anderen Hindernisse überwunden hatte, versuchte der Strom nun auch, die Wüste zu durchqueren. Aber er merkte, dass – so schnell er auch in den Sand fließen mochte – seine Wasser verschwanden.

Er war jedoch überzeugt davon, dass es seine Bestimmung sei, die Wüste zu durchqueren, auch wenn es keinen Weg gab. Da hörte er, wie eine verborgene Stimme, die aus der Wüste kam, ihm zuflüsterte: „der Wind durchquert die Wüste, und der Strom kann es auch.“

Der Strom wandte ein, dass er sich doch gegen den Sand werfe, aber dabei nur aufgesogen würde; der Wind aber kann fliegen, und deshalb vermag er die Wüste zu überqueren.

„Wenn du dich auf die gewohnte Weise vorantreibst, wird es dir unmöglich sein, sie zu überqueren. Du wirst entweder verschwinden, oder du wirst ein Sumpf. Du musst dem Wind erlauben, dich zu deinem Bestimmungsort hinüber zu tragen.

Aber wie sollte das zugehen? „Indem du dich von ihm aufnehmen lässt.

Diese Vorstellung war für den Fluss unannehmbar. Schließlich war er noch nie zuvor aufgesogen worden. Er wollte keinesfalls seine Eigenart verlieren. Denn wenn man sich einmal verliert, wie kann man da wissen, ob man sich je wiedergewinnt.

„Der Wind erfüllt seine Aufgabe“, sagte der Sand. „Er nimmt das Wasser auf, trägt es über die Wüste und lässt es dann wieder fallen. Als Regen fällt es hernieder, und das Wasser wird wieder ein Fluss.

„Woher kann ich wissen, ob das wirklich wahr ist?

„Es ist so, und wenn du es nicht glaubst, kannst du eben nur ein Sumpf werden. Und auch das würde viele, viele Jahre dauern; und es ist bestimmt nicht dasselbe wie ein Fluss.

„Aber kann ich nicht derselbe Fluss bleiben, der ich jetzt bin?

„In keinem Fall kannst du bleiben, was du bist, flüsterte die geheimnisvolle Stimme. „Was wahrhaft wesentlich an dir ist, wird fortgetragen und bildet wieder einen Strom. Heute wirst du nach dem genannt, was du jetzt gerade bist, doch du weißt nicht, welcher Teil deines Selbst der Wesentliche ist.

Als der Strom dies alles hörte, stieg in seinem Innern langsam ein Widerhall auf. Dunkel erinnerte er sich an einen Zustand, in dem der Wind ihn – oder einen Teil von ihm? War es so? – auf seinen Schwingen getragen hatte. Er erinnerte sich auch daran, dass dieses, und nicht das jedermann Sichtbare, das Eigentliche war, was zu tun wäre – oder tat er es schon?

Und der Strom ließ seinen Dunst aufsteigen in die Arme des Windes, der ihn willkommen hieß, sachte und leicht aufwärts trug und ihn, sobald sie nach vielen, vielen Meilen den Gipfel des Gebirges erreicht hatten, wieder sanft herabfallen ließ. Und weil er voller Bedenken gewesen war, konnte der Strom nun in seinem Gemüte die Erfahrungen in allen Einzelheiten viel deutlicher festhalten und erinnern und davon berichten. Er erkannte: „Ja, jetzt bin ich wirklich ich selbst.

Der Strom lernte. Aber die Sandwüste flüsterte: „Wir wissen, weil wir sehen, wie es sich Tag für Tag ereignet; denn wir, die Sandwüste, sind immer dabei, das ganze Flussufer entlang bis hin zum Gebirge.

Und deshalb sagt man, dass der Weg, den der Strom des Lebens auf seiner Reise einschlagen muss, in den Sand geschrieben ist.

Der kostbare „alte Mist“

WaldBildWir stürzten in tiefste Verzweiflung und sind in den Abgrund hinabgestiegen. Nie dachte ich, dass ich einmal dankbar sein würde für dieses Schattenreich mit all dem Seelenschmerz, der Trauer und den vermasselten Lebensabschnitten. Es hat mir ganz neue Möglichkeiten eröffnet, vor allem ein neues und besseres Leben zu führen. Egal ob die Schritte klein oder groß sind – Hauptsache es geht voran. Der Weg der inneren Gesundung ist etwas Wunderbares!