Trauma & Sucht

Seit einigen Tagen beschäftige ich mich mit dem Ruppert-Modell „Gesunder Anteil – Überlebensanteil – Traumatisierter Anteil“. Ich bin im Netz zufällig auf den Psychotherapeuten gestoßen, weil ich mal wieder verzweifelt nach Infos zum Themenpaar „Trauma & Sucht“ suchte. Nachdem ich mir einige seiner Vorträge ansah, blinkten einige „Aha!“-Lichtleins auf, vor allem als ich meinen überaus gesprächigen Überlebensanteil betrachtete, den ich übrigens sehr achte. Außer in heftigen Krisenzeiten… Aber: es gibt einen Grund.

»Wer es nicht anerkennt, dass er traumatisiert worden ist, kommt aus der Sucht nicht raus.« Prof. Dr. Franz Ruppert

Absolute Zustimmung von mir – mit einem freundlichen Blick zum „Überlebensanteil“. Wir werden wohl doch noch Freunde 🙂 . Seit Jahren beschäftigt mich das Thema und ich bin Herrn Ruppert sehr dankbar für seine Arbeit. Wie oft zermarterte ich mir das Hirn, dass man doch irgendwie an die Ursache dran kommen müsste und anders mit der Sucht umgehen könnte. Diese ständigen Rückfälle und wenn ich in der Klinik hörte, dass alles im „Suchtgedächtnis“ gespeichert sei und nur die Abstinenz hilft… Ich konnte es nicht mehr hören! Ich wollte mich nicht mit einem sog. „Suchtgedächtnis“ in die hoffnungslose Ecke abstellen lassen, so nach dem Motto: „Die wird sowieso immer wieder rückfällig und liegt irgendwann in der Gosse!“. So einfach ist das nicht! Ich erhoffe mir doch mehr Forschung auf dem Gebiet Trauma & Sucht und dass die Kliniken endlich ihre Konzepte verbessern.

Ich stelle hier für Interessierte ein paar Links zur Verfügung:

Die Identitätsorientierte Psychotraumatheorie wird seit 2015 von dem Münchner Psychotherapeuten und Psychologieprofessor Franz Ruppert entwickelt und ausformuliert. Diese Theorie erklärt psychische Störungen und körperliche Erkrankungen als die Folgen von unterschiedlichen Formen von Traumatisierungen der menschlichen Psyche und bildet die Grundlage für ein eigenes psychotherapeutisches Interventionsverfahren, die Identitätsorientierte Psychotraumatherapie. https://de.wikipedia.org/wiki/Identit%C3%A4tsorientierte_Psychotraumatherapie

Bei Youtube / AK Voralberg gibt es einige interessante Vorträge mit Herrn Ruppert: https://www.youtube.com/watch?v=ZoAhyyhEUts

Suchtsymposium – Aktuelles Interview mit Dr. Franz Ruppert

https://www.suchtsymposium.com/speaker/prof-franz-ruppert-ght748/

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MutMach-Film

In dem Film „Ich bin kein Opfer mehr“ erzählen drei Frauen, wie sie trotz langjähriger sexualisierter Gewalterfahrungen ihren Weg ins Leben gefunden haben. Alle drei wurden in ihrer Kindheit und Jugend von Tätern aus dem engsten Familienkreis über viele Jahre hinweg massiv missbraucht.

Ein mutiger und bewundernswerter Schritt, sich dem Thema zu stellen und gemeinsam in die Öffentlichkeit zu gehen. Vielen Dank dafür an Sabine, Marion und Lydia sowie an die BegleiterInnen: fünf Hunde und ein Pferd. Ich halte immer noch meine Dohle im Kopf. Ist auch schwieriger eine Dohle im realen Leben zu halten 😉

Dieser Film ist auch als Stream bzw. Download erhältlich: https://www.medienprojekt-wuppertal.de/ich-bin-kein-opfer-mehr-ein-film-mit-ueberlebenden-sexualisierter-gewalt

Wie die drei Frauen im Film bin auch ich gerne in der Natur unterwegs 🙂

 

 

 

DLF berichtet über rituelle und organisierte Gewalt

Der Deutschlandfunk hat zum Thema einen Artikel veröffentlicht

Zwischen Angst und Aufarbeitung

Rituelle und organisierte sexuelle Gewalt gerät immer mehr ins Blickfeld der Politik. Aber der Kampf dagegen ist schwierig: Den Betroffenen wird oft nicht geglaubt und die Ermittlungserfolge der Polizei sind bescheiden.

Von Isabel Fannrich

Den Artikel hat der DLF auch auf seiner Facebook-Seite veröffentlicht. Wer mit dem Thema zu tun hat, wird dort schnell erkennen, aus welchem Lager die Kommentare kommen. Eine der mehrmals auffälligen Kommentatorinnen ist die Psychologin Lydia Benecke (verheiratet mit dem „Herr der Maden“ und Kriminalbiologen Mark Benecke), die unter dem Beitrag gegen namhafte PsychotherapeutInnen, Sozialwissenschaftlerinnen, SozialpädagogInnen und Journalistinnen basht.

Frau Benecke veröffentlichte nach dem DLF-Beitrag auf ihrer Facebookseite einen äußerst fragwürdigen Beitrag. Ich gehe mal davon aus, dass sie keine Approbation hat.

Die Zeitschrift Emma veröffentlichte im November 2017 einen Artikel mit dem Titel

Darum zeigen Frauen so selten an!

„…und die Dosen bleiben!“

Vor mehr als fünf Jahren veröffentlichte ich den Text „Der Hungerengel“.

Der Hunger ist immer da. Er kommt, wann und wie er will.
Er ist groß und stark. Phantasiebilder schweben durch die Luft.
Reich gedeckte Tische mit Brot, Pizza, Omas Braten und Kuchen,
Schokoladenpudding und Eis mit endlos viel Sahne, dazu Vita Malz
und Limonade satt… So war es oft im dunklen Verlies.
Der Hungerengel sucht mit mir den Boden und die Ecken ab. Wir
spielen Spurensucher. Der Hunger steigt in uns hinein. Er wird nie
müde.  In jedem Traum wird von dem reich gedeckten Tisch
gegessen.  Der Hungerengel geht nicht weg, er bleibt und
kommt immer wieder. Er ist ein sehr treuer Gefährte
und gemeinsam denken  wir uns die tollsten
Essensgeschichten aus.

Die Angst vorm Verhungern ist immer noch da und war vor ein paar Tagen Thema im Therapiegespräch. In den Sommerferien verreist meine Partnerin für vier Wochen und die alten existentiellen Ängste melden sich. Ich sehe den Hungerengel als positiven Mittler, der in einer schwierigen Zeit einem Kind geholfen hat. So absurd sich das anhört, in dem früheren kranken katholischen Haushalt gab es keine Geschichten und Bücher für Kinder, aber die Bibel. Ich habe mit der Kirche nix am Hut, aber ich weiß, dass das Kind in mir früher die Bibel gelesen hat und in der Kirche Schutz suchte (weil es oft weggelaufen ist) und an Schutzengel (nicht an Gott!) glaubt. Bis vor wenigen Jahren hortete ich Nahrungsmittel. Vor allem eingekochte Wurst, die ich auf Märkten oder Bauernhöfen kaufte. Ich musste die Dosen für härtere Zeiten horten. Und es musste Wurst in Dosen sein, weil die Großmutter uns früher Dosenwurst und Eingekochtes mitgab. Heute kaufe ich selten diese Dosen. Zurzeit stehen drei Stück im Keller. Die Therapeutin schlug mir vor, es doch mal mit getrockneten Bohnen zu versuchen. Der Gedanke war erstmal verwirrend, aber Dosenwurst hält länger. Also nix mit getrockneten Bohnen!

Auch wenn ich Dosenwurst wirklich supereklig finde:

Die Dosen müssen bleiben!

Zu lange Bearbeitungszeiten „Fonds Sexueller Missbrauch“

Aktuelle Information von der Initiative Phoenix zum Fonds sexueller Missbrauch

Von Initiative Phoenix – Bundesnetzwerk für angemessene Psychotherapie e.V

12. März 2018 — Viele Menschen schreiben uns, dass sie aus dem „Fonds Sexueller Missbrauch“ (http://www.fonds-missbrauch.de/) eine großartige Entlastung erhalten haben und eine Zeitlang gut therapeutisch arbeiten konnten oder können. Da wir aber immer wieder und immer öfter hören und lesen, welche Schwierigkeiten es bei den Anträgen zum Fonds „Sexueller Missbrauch“ gibt, habe ich noch einmal nachgefragt und gebe nun die Antwort weiter, siehe unten. Diese bestätigt die Erfahrungen, die AntragstellerInnen und ihre BehandlerInnen uns schildern. Die Bearbeitungszeit der Anträge überschreitet bei weitem alles, was wir für zumutbar halten. Es ist keineswegs mehr ein Angebot für die Hilfe in der Not, sondern gemein, Hoffnung zu wecken und dann zwei Jahre Bearbeitungszeit (und länger?) zu haben.

Weiter zum Update der laufenden Petition mit Antwort von der FSM-Geschäftsstelle: https://www.change.org/p/bedarfsgerechte-psychotherapie/u/22495306

 

Letztes Jahr lag die Bearbeitungszeit der eingereichten FSM-Anträge bei 16 Monate. Nun liegt die Bearbeitungszeit bei 22 – 23 Monaten!

Fundstelle zum Antragsaufkommen aus dem letzten Jahr auf der Website des Fonds sexueller Missbrauch (klick zur Nachricht vom 13. Januar 2017)

„In den vergangenen Monaten war ein erhöhtes Antragsaufkommen festzustellen. Als Folge daraus hat sich die Bearbeitungszeit für die einzelnen Anträge verlängert. Deshalb soll das System jetzt umfassend weiter entwickelt werden, damit Betroffene die dringend benötigten Hilfeleistungen schneller erhalten können. Dazu werden zusätzliche Gremien zur Beratung der Anträge eingerichtet, die Aufgaben der Geschäftsstelle des FSM erweitert und die telefonische Erreichbarkeit ausgeweitet. Außerdem wird die Geschäftsstelle durch Neueinstellungen personell erheblich aufgestockt, um Weiterentwicklung und Neuausrichtung dauerhaft umsetzen zu können.“

Irgendetwas stimmt dort nicht. Wenn eine Personalaufstockung wirklich stattgefunden hat, ist die aktuelle Bearbeitungszeit von 22 Monaten in keinster Weise nachvollziehbar. Das kann nicht nur mit dem zusätzlichen Antragsvolumen zusammenhängen. Organisatorisch liegt dort einiges im Argen.

Noch etwas: Betroffene können auf die Anonymisierung ihres Antrags verzichten. Ich verstehe das so, dass nicht-anonymisierte Anträge durch den Verzicht schneller bearbeitet werden können – aber zu Lasten der anonymisierten Anträge. Ich persönlich würde die Anonymisierung durch die Geschäftsstelle bevorzugen. Ganz einfach auch aus datenschutzrechtlichen Gründen. Die Geschäftsstelle reicht die Anträge an die Clearingstellen weiter. Aber wer sitzt dort? Wie sind diese Clearingstellen zusammengesetzt? Wie wird mit unseren sensiblen Daten umgegangen? Wie sicher sind die nicht-anonymisierten Daten wirklich bei den MitarbeiterInnen in den Clearingstellen? Wie schaut die Gleichbehandlung aller AntragstellerInnen aus? Ich habe begründete Zweifel…

Verfahrensweise in der Geschäftsstelle FSM: „Anschließend wird der Antrag in der Geschäftsstelle insoweit gewünscht anonymisiert. Das bedeutet, dass alle personenbezogenen Daten (Name, Adresse, Versicherungsnummern etc. und Namen anderer Personen aus dem persönlichen Umfeld sowie Täternamen) unkenntlich gemacht werden. Die personenbezogenen Daten der Antragsteller/innen werden nur von wenigen Mitarbeiterinnen bzw. Mitarbeitern der Geschäftsstelle gesehen. Die Anträge werden in der Geschäftsstelle verschlossen aufbewahrt. Die Geschäftsstelle achtet bei jedem Verfahrensschritt darauf, dass außer den damit betrauten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern niemand unbefugt Zugriff auf die Anträge und Daten hat.

Die insoweit gewünscht anonymisierten Anträge werden den Mitgliedern der Clearingstelle zur Beratung vorgelegt. Die Clearingstelle berät über jeden Antrag einzeln nach den Vorgaben der Leitlinien zur Gewährung von Leitlinien aus dem Fonds Sexueller Missbrauch im familiären Bereich.“

 

 

Der Körper vergisst nicht

Artikelempfehlung (PDF) zum Thema „Trauma und Körper: Der Körper merkt sich alles“ von Alexander Korittko (Homepage)

Der Körper ist Ausgangspunkt und Medium für elementare Erfahrungen. Wenn er wieder als Zuhause erlebbar wird, kann ein Mensch sich auf den Weg machen, besser für sich zu sorgen. Der eigene Leib kann zum wichtigsten Ort werden, um Sinn, Halt und Orientierung zu finden. Während in der postindustriellen Gesellschaft die Optimierung unserer äußeren Erscheinung – schöner, allzeit jung und fit – befreit von Rollenvorgaben inszeniert wird und der Körper durch Piercings, Tattoos, Schönheitschirurgie und Fitnesskult aufgewertet wird, verschwindet er in SMS- und Online-Kommunikation, Twitter und Chatrooms aus der persönlichen Begegnung. Gehen wir also wieder häufiger „in uns“, um herauszufinden, was uns gut tut.

Beweise für rituelle Gewalt?

Es gibt ein neues Infoportal zu ritueller Gewalt. Auf der Seite werden Gerichtsurteile, wissenschaftliche Arbeiten und aktuelle Meldungen zum Thema Rituelle Gewalt gesammelt und öffentlich zur Verfügung gestellt.

Warum gibt es diese Webseite? Seit vielen Jahren hält sich hartnäckig der Satz „Rituelle Gewalt ist noch nie bewiesen und verurteilt worden.“ Das stimmt nicht. Es gibt Gerichtsurteile und Belege für Fälle Ritueller Gewalt. Dieses Infoportal lädt dazu ein, sich selbst ein Bild zu machen.

Link zum Portal: https://www.infoportal-rg.de/